Rembrandt-Doppelausstellung im Braunschweiger Herzog Anton Ulrich-Museum

Im hohen Alter hatte er es geahnt, der große Meister Rembrandt Harmenszoon van Rijn: ohne Familie geht es nicht. Heute hat sie wieder Konjunktur. Klug also vom Herzog Anton Ulrich-Museum, das Braunschweiger Meisterwerk ins Zentrum der Ausstellung “Familienglück” zu stellen.

Von Aneka Schult

BRAUNSCHWEIG. Viel wurde zum 400. Geburtstag des Malerfürsten schon gezeigt. Mit dem Familienbild aber hält die Braunschweiger Galerie einen Trumpf in der Hand. Kuratorin Silke Gatenbröcker hat rund 40 Werke älterer Meister und zeitgenössischer Kollegen um Rembrandts Alterswerk arrangiert. Auf diese Weise lassen sich mögliche Anleihen des Malers bei anderen Mutter-Kind-Gruppen und Familienporträts sowie bewusste Abweichungen nachvollziehen.

Deutlich unterscheidet sich Rembrandts Familienidyll von den repräsentativen Auftragsarbeiten desselben Sujets. Geziert muten die Töchter auf dem Gemälde von Caspar Netscher an. Legten die Künstler der Zeit Wert auf eine ikonografische Decodierbarkeit, kommt Rembrandt ohne besondere Attribute aus. Das Spiel mit dem Sakralen und Profanen, mit der Pastorale wirkt jedoch auch in sein Werk hinein. Unübersehbar aber schuf der Meister eine anrührende Vision idealer Harmonie. Ein Besucher: “Man denkt, es ist alles in Butter. Das Bild strahlt Zufriedenheit aus.” Und das, obwohl dem Meister ein solches Familienglück nie beschieden war.

Ein warmes, inniges Grundsentiment ruht bereits im Farbauftrag und Pinselstrich. Zart lasiertes Inkarnat, aufgespachtelte Farbwülste und ein Lichtreflexe erzeugender Malduktus heben das Gemälde von anderen ab. Sogar die intime Mutter-Kind-Gruppe Anton van Dycks besitzt nicht diese Lebendigkeit.

Die Rembrandt´sche Familie – ungeklärt bleibt, wer abgebildet ist – ist sich nah. Man bezieht sich aufeinander. Der Vater und Maler zeigt sich integriert. Eine zeitlos Gültigkeit einfordernde Utopie?

Parallel zum “Familienglück” zeigt das Museum neben Leihgaben von Paris bis Wien etwa 50 Zeichnungen “Aus Rembrandts Kreis” aus dem Kupferstichkabinett. In der Ausstellung wird die künstlerische Wucht Rembrandts anschaulich gemacht. Zwar kann nur eine Zeichnung dem Meister selbst zugeschrieben werden. Jedoch lässt sich die Vererbung seines schnellen Strichs auf seine Schüler nicht übersehen. Rembrandts Lehrer Pieter Lastmann, der mit einer Figurenstudie vertreten ist, hält sich würdig zurück.

Dauer: bis 17. Dezember, dienstags bis sonntags 10 bis 17 Uhr, mittwochs 13 bis 20 Uhr, in Braunschweig, Museumsstraße 1.

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