Novum im Celler Kubus: Spannende Video-Ausstellung im Multimedia-Raum des Kunstmuseums

Von Aneka Schult

CELLE. Penetranz, das Immer-Gleiche, repetiert bis zur Unerträglichkeit – markante Stilmittel des Videokünstlers Klaus von Bruch, einem Vorreiter deutscher Videokunst. Auch im internationalen Kontext hat er Akzente gesetzt, ohne die nachfolgende Video-Künstlergenerationen kaum vorstellbar sind.

So simple das frühe Tape “Das Duracellband” des Künstlers aus dem Jahre 1980 zunächst scheint, die spezifischen Ausdrucksmöglichkeiten des Mediums werden offenbar. Das aggressive Stakkato von Tonspur und Schnitt, die Montage scheinbar unvereinbarer dokumentarischer Versatzstücke wie Batterie, Atombombenabwurf und Künstler-Selbstporträt bewirken beim Betrachter eine Verunsicherung, die es bedarf, um eine neue Semantik zu entlarven, bei Klaus vom Bruch in starkem Maße auch die Groteske.

Neben den vier Videos dieses Künstlers hat Kuratorin Dr. Anita Shah vom Bomann-Museum sechs weitere Tapes zusammengestellt und damit ein rund 350.000 Euro schweres Novum im zeitgenössischen Kunstdiskurs in Celle etabliert.

“Ich wollte einen Überblick geben über repräsentative Positionen in der Videokunst von den Anfängen bis heute, die auch international Bedeutung haben”, erklärt Shah. Ob es ein gewagter Schritt war, wird die dreiwöchige Ausstellungsphase zeigen. Immer noch führt die Videokunst jenseits der Kunstmetropolen ein Schattendasein. Dabei ist unsere medialisierte Gesellschaft, was das Decodieren bewegter Bilder angeht, geschult.

Berührungsängste jedenfalls sind unbegründet. Die Bilder auf Plasmabildschirmen oder als Großbildprojektion im Multimedia-Raum sprechen für sich. Zusammen mit Akustik und Sprache vermag jeder Betrachter sich “seinen Reim” darauf zu machen.

Das macht sogar Spaß, so wie der Klassiker der Videokunst “Der Lauf der Dinge” (1987) von den angesagten Schweizer Künstlern Peter Fischli und David Weiss, der ein explosiv-eruptives Experimentierfeld chemischer und physikalischer Prozesse vorführt und dabei Fragen nach Zufall und Berechenbarkeit von Kunst thematisiert.

Spannend ist auch der Nachvollzug der enormen Entwicklung des relativ jungen Mediums. Zu den gezeigten jüngeren Positionen gehören Arbeiten von Bjørn Melhus, Sigalit Landau und Bettina Pousttchi. Melhus´ kühle Vorführung der Fernseh- und Medienwelt fasziniert, indem sie durch die Sakralisierung amerikanischer Daytime-Talkshows irritiert. Der Talkmaster als richtender Gott – Fiktion oder Wahrnehmung?

Extra Box:
Die Videotapes sind zu sehen bis zum 29. Oktober im Wochenzyklus. Highlight am 29. Oktober: alle Videos werden an einem Tag gezeigt, die Videos der 3. Woche von 10 bis 13 Uhr, die der 2. Woche bis 15 Uhr, die der 1. Woche bis 17 Uhr.

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