Ergreifen: Manfred Maurenbrecher im Kaleidoskop

Auf der Bühne ist Manfred Maurenbrecher einfach er selbst. Mit seiner cognacgetränkten Stimme und den Liedern, die Geschichten erzählen – mal schräg, mal zart, mal still. Mit seinem Programm “Ende der Nacht” trat er im Findelhof in Bockelskamp auf.

Von Aneka Schult

BOCKELSKAMP. Absurd. Manfred Maurenbrecher besuchte eine Kleinkunstbühne, malträtierte das Klavier und nur wenige hörten zu. Ein Pausen-Kommentar: “Klavier spielen kann er aber nicht”. Wie herrlich oberflächlich die Menschen sind. Und doch erfüllte eine Ergriffenheit das Kaleidoskop. Hat der Typ mit der cognacgetränkten Stimme doch mehr drauf als das Schmettern in die Tastatur?

Immerhin, der Mann, der da fast schüchtern, mit wildem Haar und dicker Brille auf dem Schemel hockt, hat einen Dr.phil und ist dabei Mensch geblieben. Nie hat er aufgegeben, Geschichten zu erzählen: schräge, abgrundtiefe, wahre, zarte, stille und laute, in denen die Bauch-Wut sich in ekstatisches Klavierspiel überträgt. Ohnmacht – auch die lässt er zu, geht ehrlich mit sich um. So wie der Liedermacher einfach ins Schwarz-Weiße greift, meint man, dessen Tage sind gezählt.

Eine ausgefeilte Show kann der Berliner nicht bieten, will er auch nicht. Er gehört zu einer kleinen radikalen Minderheit, die realisieren, wovon sie träumen. Er liebt es, aus dem Bauch heraus zu handeln, ist sentimental, sarkastisch, aggressiv. Impulsiv trampelt er in die Pedale. Wenn er erzählt, ist es wie ein vertrautes Kneipengespräch. Für die Welt der Shootingstars ist er zu unbequem.

Was soll man mit einem Mann, der so er selbst ist, dass er auf die Bühne schlurft und mit kratziger Stimme beginnt “Ein Lied entstanden beim Singen”. Auch sein aktuelles Programm “Ende der Nacht” sei eigentlich alt, nur mit einigen neuen Songs. Seit 1973 ist Maurenbrecher auch dank Herwig Mitteregger im Musikgeschäft, textete für Musiker, arbeitete mit Gerulf Pannach, Gerhard Gundermann und Richard Wester zusammen, erhielt den Deutschen Kleinkunstpreis. Das “Mittwochsfazit” ist längst kult.

Seine Musik, die an Dylan und Randy Newman erinnert, geht tiefer als ins Ohr, nicht weil sie so virtuos ist, sondern weil sie Bilder malt, subtile und brutale, liebenswerte und warme. “Liebe kann man lernen”, “Der Mann und sein Fahrrad” oder “Geile Teile” mögen kantig sein. Aber sie haben Vehemenz. Ein herrliches Kontrastprogramm. Applaus und mehrere Zugaben.

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