Ulf Goerke über seine “Interview”-Regie im Kleinen Haus

Theo van Gogh. Ein Name, der bewegt. Sein vorletzter Film “Das Interview” – nach dem letzten Film erlag der Niederländer 2004 einem Attentat – wurde von Stephan Lack übersetzt und für die Bühne bearbeitet. Im Kleinen Haus des Braunschweiger Staatstheaters wird es heute um 20 Uhr aufgeführt. Aneka Schult führte mit Regisseur Ulf Goerke ein Interview über “Das Interview”.

Theo van Gogh gilt als Enfant-terrible-Regisseur. Sein letzter Film brachte ihm den Tod. Wie provokativ ist “Das Interview” von ihm und Theodor Holman?

Mit dem Film “Submission”, den van Gogh in Zusammenarbeit mit der Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali realisierte, hat unser Stück wenig zu tun. Viel mehr beschäftigt van Gogh die Medienwirklichkeit und deren Reflexion.

Der politische Redakteur Pierre soll spontan die Schauspielerin Katja interviewen, ausgerechnet, wenn das Kabinett zurücktritt. Unlust. Frust. Ein verbaler Schaukampf beginnt. Was reizt Sie daran?

Zwei Weltanschauungen treffen aufeinander. Keiner ist am Menschsein des anderen interessiert. Nur das Image zählt. Genauso habe ich das Stück aufgebaut. Es beginnt mit zwei Klischeefiguren. Zunehmend folgt der Abbau in die menschliche Psyche. Aber eigentlich führen beide die ganze Zeit Krieg.

Wie wird die ständig steigende Spannung auf der Bühne umgesetzt? Im Film gibt es mit Shot und Gegenshot ganz andere Mittel.

Das ist richtig, aber ich bin ein Regisseur, der stark auf das Schauspiel setzt. Ich habe versucht, Handlungsstränge herauszukristallisieren, psychologische Vorgänge theatral zu vergrößern. Auch spielt alles an einem abstrakten Ort. Es geht nicht um Kaffeeklatsch, sondern um die Frage, was das für gesellschaftliche Vertreter sind.

Sie inszenieren in Braunschweig als Gastregisseur. Was machten sie davor?

Letztes Jahr habe ich meine Regieausbildung abgeschlossen, war am Hamburger Schauspielhaus und habe im Münchner Theater Halle 7 “Vaterlos” inszeniert. Mit meiner Diplominszenierung “Der Mann ohne Vergangenheit” war ich in Sachsen-Anhalt bei den Theatertagen.

Und nach dem “Interview”? Gibt es schon Pläne?

Im Frühjahr werde ich “Hamlet” in Stendal inszenieren, danach in Nürnberg wohl auch einen Klassiker.

Zur Person:
1969 wurde Ulf Goerke in Ratingen geboren.
Nach der Schauspielausbildung in Hamburg und diversen Engagements begann er sein Regiestudium an der Hochschule für Schauspielkunst “Ernst Busch” in Berlin und Abschluss als Diplomregisseur für Schauspiel und Oper an der Theaterakademie München.