Jonathan Meeses Sonntagspredigt in Cumberlandscher Galerie in Hannover

“Die hermetische Diktatur der Kunst” war das Thema des “Enfant terribles” Jonathan Meese. Seine These in der Cumberlandschen Galerie in Hannover: Die Kunst erschafft sich selbst, was Kunst ist, entscheidet sie selbst. Der internationale Shootingstar aus Ahrensburg bei Hamburg sieht für die Kunst nur eine Grenze: “Unsere mickrige Realität”.

Von Aneka Schult

HANNOVER. Er gilt als Störenfried, Attackierer der Anti-Radikalen und Lakaien einer kommerzialisierten Kunstszene: Jonathan Meese, kategorisiert als “Enfant terrible” mit Spaß an der heiteren Seite des Schreckens. In der Cumberlandschen Galerie hielt er seine Sonntagspredigt über “Die hermetische Diktatur der Kunst”.

Der nonkonforme Wilde mit dem feurigen Blick, der internationale Shootingstar und Kunst-Samurei aus Ahrensburg bei Hamburg hat sich sein eigenes dionysisches “Heilmittel vom Dasein” (Nietzsche) gebraut, das Demut aber kennt: “Ich kann mich nur dem Orakel anvertrauen”, meint er eine höhere, geheimnisvolle, selbstbestimmte Macht: die Kunst. “Die Grenze der Kunst ist unsere mickrige Realität”, wehrt sich der 36-Jährige gegen Privatismen. “Die Kunst ist frei, der Künstler nicht.”

Meese, 1970 in Tokio geboren, wünschte sich 22-jährig von seiner Mutter Stifte und einen Zeichenblock. Ein Jahr später mischte er in der HfBK Hamburg mit. Seitdem liegt Meese der reglementierte Hochschulbetrieb quer im Magen. Seine Parole, und an Parolen wimmelt es in den bizarren Bildwelten des Malers und Performancekünstlers, lautet “Loslegen, vorwärtspeitschen”.

“Ein Studium macht Dich noch nicht zum Künstler”, hat Meese konsequent auf den Abschluss verzichtet. Urteile seien subjektiv. Was Kunst ist oder nicht, entscheide sie allein. “Die Kunst erschafft sich selbst. Sie spielt sich nur an mir ab.” Armer Meese. Seine schweren Kaliber stoßen auf – häufig ab. Martialische Figuren, Schocker der Weltgeschichte wie Hitler, Stalin und Caligula, Sagenpersonal und Filmikonen wie Dr. No, Conan der Barbar, Zed aus “Zardoz” oder Kubricks Alex DeLarge. Hervorstechendste Merkmale sind Riesenphallus und Hakenkreuz. Provokation oder kindisches Zündeln gegen die totale Kriterienlosigkeit? “Die Sachen sollen sich selbst überdehnen”, so Meese, der wie eine Egozentrifuge rotiert und Kunst abwirft. Ein infantiler Spinner? Radikaler Optimist? Utopist? Abenteurer? Zweifellos ein Gefäß, in das sich Kunst ergießt. Doch aller Entgrenzungsversuche zum Trotz: auch der Partisan einer radikalen Kulturexplosion muss verkaufen – oder lesen -, um “sich Milch zu holen”.

1 Kommentar
  1. Jonathan Meese ist der warscheinlich einzige Künstzler der begrifffen hat, das Kunst nur ein Teil des Erlebens und nicht der Begriff der Realität ist.

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